Ist es technologisch möglich Einzelhandelsfilialen in Tagesrandzeiten und der Nacht mit elektrischen Lkw zu beliefern? Welche Vorteile bieten diese Fahrzeuge in der Belieferung von Handelsfilialen? Im Rahmen des Projekts „Geräuscharme Logistikdienstleitungen für Innenstädte durch den Einsatz von Elektromobilität“ (GeNaLog) war es das Ziel, ein dienstleistungsbasiertes Logistikkonzept „Geräuscharme Nachtlogistik“ zur Reduzierung der Lärm- und Schadstoffbelastung und der Verkehrsüberlastung im urbanen Raum zu entwickeln und in einer Testphase zu erproben um diese Fragen beantworten zu können.

Durch den Trend zur Urbanisierung wohnen immer mehr Menschen in Städten. Zur Versorgung dieser finden 50-70 % der Lieferverkehre zwischen 8:00 und 12:00 Uhr statt. In diesem Zeitraum sind die Straßen durch Pendler, Handwerker, Einkaufsfahrten und andere Privatverkehre besonders belastet. Die Touren werden ineffizient und im Stau stehend werden unnötig Lärm und Luftschadstoffe emittiert. Die Grundidee von GeNaLog ist die zeitliche Entzerrung der Anlieferung, d.h. dass ein Teil der Lieferverkehre in die Nacht und Tagesrandzeiten verlagert werden.

Lkw mit Dieselmotoren sind für solch eine Anlieferung entsprechend den Richtwerten der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) zu laut, so dass elektrische Lkw (E-Lkw) eine geeignete Alternative darstellen. Aber nicht nur die Motorengeräusche sind zu berücksichtigen, auch vollelektrische Kühlaggregate und Ladebordwände mit Leiselauf-Aggregaten sind bereits technisch ausgereift und am Markt erhältlich. Zusätzlich sind Geräusche, die durch das Öffnen und Schließen der Fahrertür, dem Radio, dem Überfahren der Ladebordwand mit Ladehilfsmitteln und dem Öffnen und Schließen der Ladebordwand entstehen, zu beachten. Zu diesem Zweck wurden bestehende Konzepte zur Belieferung von Einzelhandelsfilialen mit dem Ziel verändert, E-Lkw nachhaltig in die urbane Logistikkette zu integrieren.

Im Projekt wurde dies in einer Testphase unter Realbedingungen untersucht und nachgewiesen, dass die geltenden Lärmrichtwerte durch den E-Lkw und dem eingesetzten geräuscharmen Umschlagsequipment eingehalten werden. Durch die Nutzung der freien Infrastruktur in der Nacht können die Fahrzeiten der Touren um 20-40 % reduziert werden. Durch die längeren Betriebszeiten kann die Transportmenge, für die sonst 3 Diesel-Lkw benötigt werden von 2 E-Lkw ausgeliefert werden. Die derzeit noch in der Anschaffung deutlich teureren E-Lkw können somit wirtschaftlicher eingesetzt werden. Die E-Lkw werden auch tagsüber eingesetzt, so dass der gesamte städtische Güterverkehr geräuscharmer und mit geringeren Luftschadstoffen abgewickelt werden kann.

Als Unternehmen beteiligten sich neben der REWE Group aus Köln, die DOEGO Fruchthandel und Import eG und die DLG Dortmunder Logistik Gesellschaft mbH (ehemals: TEDi Logistik GmbH) aus Dortmund. Die beiden Fraunhofer-Institute für Materialfluss und Logistik IML und für System- und Innovationsforschung ISI sorgten für die wissenschaftliche Begleitung des Projektes und die Übertragbarkeit der Projektergebnisse. Als Umsetzungspartner engagierten sich die Städte Dortmund, Karlsruhe und Köln.

EN-WIN kann auf den Erkenntnissen zu Fahrzeiten der Touren und Tourlängen aufsetzen. Zudem hat GeNaLog gezeigt, dass die E-Lkw durch den Einsatz in den Tagesrandzeiten und in der Nacht eine weitere Tour fahren können und hierdurch ein wirtschaftlicher Einsatz ermöglicht wird.

Link zum Abschlussbericht. Eine hochauflösende Version kann hier (ca. 30 MB) heruntergeladen werden.